ProDG will's wissen - Ist unsere Jugend wirklich so schlimm?
Eine Ende 2011 veröffentlichte KFN-Studie stellt fest, dass die Jugendgewalt in der Deutschsprachigen Gemeinschaft um etwa 20 Prozent höher liegt als in der benachbarten Bundesrepublik. Als auffälligste Bedingungsfaktoren wurden u.a. das Erleben elterlicher Gewalt, Kontakte zu anderen delinquenten Jugendlichen (vor allem im Rahmen von Jugendgruppen und -vereinigungen), Alkoholkonsum und Schulschwänzen genannt.
Die nackten Zahlen sind ernüchternd. Jedoch reproduzieren sie nur eine Momentaufnahme.
Der Leiter des Forschungsinstituts, Prof. Dr. Christian Pfeiffer, attestierte der Deutschsprachigen Gemeinschaft eine Reihe von positiven Errungenschaften und Entwicklungen: Das System der Ganztagsschulen sei im Vergleich zur Bundesrepublik ein großer Vorteil, Maßnahmen im Bereich der psychosozialen Förderung junger Menschen würden sicherlich Früchte tragen und die Neugestaltung der Jugendpolitik durch das neue Jugenddekret sei ein richtiger Ansatz, um nur einige zu nennen.
Viel aufschlussreicher dürfte es werden, wenn in einigen Jahren eine Kontrollstudie durchgeführt wird, die dann verlässliche Aussagen darüber zulassen wird, ob die Bemühungen der letzten Jahre eine positive Wirkung zeigen.
Wie schlimm sind nun unsere Jugendlichen wirklich? Wir sollten uns davor hüten, unsere Kinder und Jugendlichen pauschalisierend als Verursacher von Problemen zu verstehen. Wir müssen im Gegenteil zu der Einsicht gelangen, dass sie lediglich Spiegelbild unserer Gesellschaft sind. Wenn wir die bestehenden Probleme bewältigen wollen, dann müssen wir junge Menschen in ihrer Persönlichkeit, in ihren Vorhaben und Ideen und bei der Mitgestaltung der Gesellschaft stärken.
Wir haben in der Deutschsprachigen Gemeinschaft schon viele Ressourcen, auf die wir zurückgreifen können: Es gibt exzellente Dienste im Kleinkindbereich, wie den Dienst für Kind und Familie und die Frühhilfe. Wir haben ein im weltweiten Vergleich vorbildliches Bildungssystem. Wir kennen in der Jugendhilfe viele engagierte Akteure, die professionell an der Entwicklung neuer Lösungen mitarbeiten wollen und können. Wir haben ein starkes soziales Netz, in dem viele Organisationen, Vereinigungen und Ehrenamtliche für Hilfe in Notlagen sorgen.
Aber wir dürfen in unseren Bemühungen nicht nachlassen: Erziehungshilfen für Familien in Problemlagen müssen verbessert werden, frühkindliche Prävention muss gestärkt werden, die Chancengleichheit im Bildungssystem muss weiter verbessert werden und für den Notfall müssen Auffangmaßnahmen wie Streetwork, Jugendhilfe und soziopsychologische Dienstleistungen optimiert werden. Dafür wird sich ProDG auch in Zukunft einsetzen. Wir sind auf dem richtigen Weg!



