ProDG will´s wissen - Belgien zu viert?
Die vier Sprachgebiete Belgiens haben sich seit 1970 als die einzigen, wirklich stabilen Elemente im Umbau Belgiens zum Bundesstaat erwiesen. Also liegt es in der Logik der Dinge, dass sich das Belgien von morgen auf diesen Sprachgebieten aufbaut. Dies haben beide Experten, die vom zuständigen Ausschuss des Parlamentes der DG angehört worden sind, Vincent de Coorebyter und Philippe van Parijs, übrigens bestätigt. Diese Entwicklung liegt nicht nur im Sinne der ersten Architekten des Staatsumbaus, sie ist seitdem gewachsen und inzwischen großenteils Wirklichkeit geworden. Es ist daher nicht verwunderlich, dass der Gedanke an ein Belgien zu Viert in den politischen Kreisen Belgiens immer mehr Zustimmung findet. In Flandern besteht die Unterscheidung zwischen Region und Gemeinschaft längst nicht mehr; auch die Wallonische Region übernimmt immer mehr Zuständigkeiten der Französischen Gemeinschaft. Wenn die Deutschsprachige Gemeinschaft jetzt nicht bereit ist, eine eigenständige Region zu werden, läuft sie Gefahr, den endgültig letzten Zug zu verpassen und zu einer Unterbehörde der Wallonischen Region zu werden. Der Wille, gleichberechtigter Partner in einem Belgien zu viert zu sein, heißt allerdings nicht, blind und naiv in ein ungewisses Abenteuer einzuwilligen. Es heißt sich zu vergewissern, dass mit den neuen Aufgaben auch die dafür erforderliche Finanzierung einhergeht. Auch müssen wir uns an die hierzulande bisher praktizierten und bewährten drei Grundprinzipien halten: erstens Bürokratie systematisch verringern oder gar nicht erst entstehen lassen, zweitens genau auf Transparenz und Chancengleichheit bei der Vergabe von Positionen und Ämtern achten und drittens bescheiden bleiben, unsere Jugend sehr gut und mehrsprachig ausbilden, auf Kooperation setzen und unsere Brückenfunktion weiter ausbauen.Tun wir das, dann werden wir die Aufgaben einer gleichberechtigten Region mit entsprechenden Kooperationsverträgen meistern können, genau so wie wir bisher in der Lage sind, eine so umfangreiche und komplexe Aufgabe wie das Unterrichtswesen zu verwalten. Zeigen wir also Mut, die Verantwortung als gleichberechtigter Partner in Belgien zu übernehmen: bescheiden, bodenständig und pragmatisch - wie man uns kennt !



