Pro DG will's wissen - Stimmen zur Love Parade
Erneut haben wir Bürgerinnen und Bürger befragt, wie sie über aktuelle Themen denken. Diesmal haben wir uns mit der Massenpanik auf der Loveparade in Duisburg beschäftigt und gemeinsam mit Ostbelgiern über die möglichen Ursachen dieser Katastrophe, über den Umgang mit Verantwortung und über etwaige Konsequenzen für Massenveranstaltungen hierzulande nachgedacht.
Das Sicherheitskonzept hat bei der Loveparade kläglich versagt. Nach dem derzeitigen Kenntnisstand starben in Duisburg die meisten Menschen, weil sie in der Menge aufeinander gedrängt wurden und erstickten. Da es an Zufahrtswegen und Flächen für die Versorgung der Patienten mangelte, kamen die Rettungskräfte zunächst nicht an die Verletzten heran. Bedenken – u.a. von der Feuerwehr der Stadt Duisburg – reichen bis in den Herbst 2009 zurück. Aufgrund fehlerhafter Planung, nicht eingehaltener Vorgaben, zu wenig Ordnungskräften und mangelnder Zusammenarbeit der zuständigen Instanzen, kam es zu einem Unglück, bei dem 21 unschuldige Menschen ihr Leben ließen und mehr als 500 Menschen verletzt wurden.
Noch ist unklar, wer welche Fehler begangen hat. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Unbekannt, wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Körperverletzung. Es muss geklärt werden, wer die Verantwortung für das Unglück auf der Loveparade in Duisburg zu tragen hat.
Verantwortung ist in diesem Fall eine äußerst komplexe und keinesfalls nur juristische Angelegenheit. Politische Verantwortungsträger müssen in bestimmten Fällen über das rein Juristische hinaus bereit sein, auch dann persönliche Konsequenzen zu ziehen, wenn sie (zu Recht oder zu Unrecht) glauben, keine persönlichen Fehler begangen zu haben. Wir können nicht nachvollziehen, weshalb beispielsweise der Duisburger Oberbürgermeister dazu nicht bereit war. Er hätte schon lange zurücktreten müssen; schon allein weil „seine“ Bevölkerung vor Ort ein solches Signal braucht, um mit den Folgen der Katastrophe umgehen zu können.
Die Frage nach der juristischen Verantwortung und den Ursachen für dieses Drama muss nun geklärt werden - vor allem auch deswegen, damit sich eine solche Katastrophe nicht wiederholt. Aufklärungsarbeit ist unerlässlich.
Grundsätzlich warnen wir aber davor, nun alle Massenveranstaltungen in Bausch und Bogen zu verurteilen. Großveranstaltungen – seien sie sportlicher oder unterhalterischer Art - sind ein wichtiger Teil unserer Kultur. Musikfestivals sind in den allermeisten Fällen willkommene Gelegenheiten der Freude und des friedlichen Miteinanders. Allerdings nur dann, wenn der Mensch im Mittelpunkt aller Überlegungen steht, wenn das Sicherheitskonzept stimmt und wenn die Sicherheitsinteressen der Menschen Vorrang vor allen kommerziellen Erwägungen haben. Die Menschen, mit denen wir gesprochen haben, werden auch weiterhin Musikfestivals besuchen, … und das ist gut so.
Die Ergebnisse unserer Umfrage finden Sie in folgendem Filmbeitrag.



